Alice Richter-Lovisa

geboren am:
19.12.1911 in Mannheim
gestorben am:
25.01.1999 in Mannheim

Alice Richter-Lovisa, mit Mädchennamen Alice Ernestine Tegtmeyer, hat noch bei Albert E. Henselmann in der Freien Akademie Mannheim studiert, bevor dieser 1938 mit seiner Frau in die Schweiz emigriert.

Schon früh erkennt der Klassenlehrer ihr Talent und fördert sie. 1928 verlässt sie die Liselotteschule in Mannheim mit mittlerer Reife und beginnt am Fröbelseminar in Mannheim eine Ausbildung als Kindergärtnerin. Nach mehreren Praktika schließt sie noch eine Ausbildung als Jugendleiterin an. Danach arbeitet sie in diesen Berufen.

1939 heiratet sie den Landgerichtsrat Dr. Walter Lovisa. Die Ehe wird 1957 geschieden. Nach den Kriegsjahren, die sie zum Teil in der Evakuierung in Böblingen verbringt, arbeitet sie in unterschiedlichen Berufen: als Bibliothekarin und „Arts and Craft Teacher“ an der American Elementary School und ab den 50er Jahren wieder als Jugendleiterin oder in der Abendakademie.

Alice Richter-Lovisa ist eine sehr selbstständige Frau, auch schon als junges Mädchen und für die Zeit vor und nach dem zweiten Weltkrieg sehr eigenständig. Als Künstlerin ist sie Autodidaktin. Viele Jahre laufen Broterwerb und Kunst nebeneinander.

1952 lernt sie bei einem Zeichenkurs in der alten Sternwarte bei dem Bildhauer Carl Trummer den Architekten Hans Richter kennen, den sie 1967 heiratet. Aus dieser Partnerschaft einsteht ein Team, das in vielen Bau-Projekten zusammenarbeitet und in dem Alice Richter-Lovisa ihre ungeheure Vielfalt von Einfällen zu Formlösungen und Materialwirkungen realisieren kann.

Sie gestaltet im Mai 1965 und im Juni 1967 das Cover des Veranstaltungsprogramms der Stadt Mannheim, entwirft1966 ein Plakat für das Fremdenverkehrsamt Heidelberg.

Die Brunnenfiguren auf dem Kinderspielplatz in H6 sind von ihr – und auch heute noch vorhanden. Beim Neubau der damaligen Fachhochschule in der Windeckstraße baut sie aus Leiterplatten ungewöhnlich Wandstelen. Es gibt viele bemalte Respoal-Türen in Schulen und Kindergärten von ihr.

Aus der Ateliergemeinschaft mit Walter Koch entstehen Kirchenfenster, Fensterverglasungen und ein wunderschönes Altarkreuz in der evangelischen Kirche Neckarhausen.Sie fertigt Collagen und entwirft Schmuck. 

Die Leiterplatten faszinieren sie bis zum Ende ihres Lebens: Daraus entstehen – hauptsächlich zwischen 1990 und 1995 – zusammen mit Transformatoren, Ringen, Ösen und kleinen Haushaltsgegenständen, Assemblagen. Witzig, ironisch und mit sehr viel Fantasie zeigen sie eine „Powerfrau mit Handy“, der Blick auf Manhattan – „I like Manhattan“ –, ein „Kernloses Kraftwerk“ oder ein „Native Warrior“. Trotz der Titel wird hier kein gesellschaftskritischer Sprengstoff thematisiert, sondern eher Hintergründiges.

Seit den 60er Jahren stellt sie regelmäßig aus, aber immer in Gruppenausstellungen, z. B. mit dem Berufsverband bildender Künstler (BBK), dem Künstlerbund Rhein-Neckar oder mit anderen Mannheimer Künstlern, wie Paul Löffler und Bruno Kröll.

Einzelausstellungen hat sie 1967 in der damals „berühmten“ Tangente in P 7, 1 und dann erst wieder im Kulturtreff Mannheim-Feudenheim 1988.

Text: S.Köhler/J. Kronjäger
Fotos: Manfred RInderspacher, privat, Robert Häusser

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