Herbert Halberstadt

geboren am:
29.04.1935 in Mannheim
gestorben am:
21.03.2020 in

Herbert Halberstadt ist ein Kriegskind und wächst in der Neckarstadt in Mannheim auf. Über viele Umwege kommt er zur Kunst. 1949 beginnt er eine Ausbildung als Maschinenschlosser und 1954 als Elektroschweißer. Er arbeitet viele Jahre als Schweißmeister im Stahlbau. 

Er ist befreundet mit Walter Tauchert (1937–2005), der in einer Schiffswerft arbeitete. Beide interessieren sich für Kunst, beginnen zu zeichnen. 1963 entscheidet sich Halberstadt, ebenfalls – wie Tauchert schon einige Jahre zuvor – zu einem Studium an der Freien Kunstakademie Mannheim.

Eigentlich will er Malerei studieren, doch dann trifft er an der Akademie Hans Nagel (1926–1978) und wird dessen Assistent. Die erste Arbeit, bei der er Nagel hilft, ist allerdings keine Schweißarbeit: Zusammen mit Walter Tauchertbaut er die Holzverschalung für die Wandarbeit aus Betonim Innenhof des Gesundheitsamtes Mannheim (1963).

Halberstadts handwerkliches Know-how ist für Hans Nagel wichtig, denn Nagel hat zwar zahlreiche künstlerische Ideen,tut sich aber immer wieder schwer mit deren technischer Umsetzung. Von 1963 bis 1975 arbeitet Halberstadt an den Großplastiken von Hans Nagel mit, den Montagen aus Eisenschrott sowie den Röhrenplastiken. Die meisten Arbeiten entstehen bei der Firma Knauer Stahlbau auf der Friesenheimer Insel, bei der Hans Nagel sein Atelier hat.

Ab 1964 arbeitet Halberstadt ebenfalls fest angestellt bei der Firma Knauer. Wenn Hans Nagel seine Arbeiten realisiert, wird Halberstadt von seiner Arbeit freigestellt.

Ab 1964 beginnt Herbert Halberstadt, neben seiner Berufstätigkeit,mit der Arbeit an eigenen Stahlplastiken. Die ersten Werke entstehen aus Resten von Schweißdraht, die er insphärischen Flächen  zusammenschweißt und anschließend zu Raumkörpern zusammensetzt. Was ihn vor allem interessiert,ist die Statik dieser aus flächigen Elementen zusammengesetzten Konstruktionen, reduziert auf einen stabilen Punkt.

In den folgenden Jahren entstehen weitere plastische Arbeiten. Seine erste Ausstellung hat er 1980 in der Galerie Gramsche in Worms. Ab 1995, bereits in Rente, wendet er sich dann doch der Malerei zu, der er sich bis heute widmet. Es sind pastos gefertigte Arbeiten, bei denen sich die Acrylfarbe in mehreren Schichten vom Papierhintergrund abhebt.

In den letztenJahren ist eine ganze Serie aus Fotoübermalungen zur Reiß-Insel entstanden.Ein syrischer Freund, der Kalligraph ist, und Halberstadts Reisen nach Ägypten und Marokko haben ihn zu einemZyklus von Schriftbildern inspiriert, in dem das Zeichen nichtmehr als sinntragende Einheit fortbesteht, sondern „in seiner Reduktion auf eine elegante Linie zu reiner Form gerinnt“ (Astrid Mader).

Text: S. Köhler/ J. Kronjäger
Fotos: Robert Häusser, privat

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