Walter Stallwitz

geboren am:
27.04.1929 in Mannheim
gestorben am:
27.08.2039 in

2011 wurde die Sickinger-Schule in T 4 / T 5 geschlossen und 2012 abgerissen. 16 der 25 Klassenzimmer-Türen, die Walter Stallwitz gestaltet hat, hat er zum Erhalt im August 2011 ausgewählt.

Sie lagern im Depot der Künstlernachlässe. Die Gestaltung der Türen waren 1963 für ihn der erst große Auftrag für Kunst am Bau der Stadt Mannheim, die er zusammen mit dem Fotografen Hans-Jörg Soldan ausführte.

Die Türen zeigen Motive aus der ganzen Welt oder gehen thematisch auf Unterrichtsfächer ein, z. B. Physik, Chemie.Walter Stallwitz war es wichtig, dass die Türen individuell waren. Sie zeigen eine Reise um die ganze Welt – da gabelt sich der Nil zum Delta, da sieht man die Umrisse des Mittelmeers –, sie zeigen Motive der Inkas, Mayas oder der Pharaonen. Die Türen der Vorschulklassen zeigen eine „kindgerechte“ Geografie verschiedener Kontinente und deren typischen Tiergattungen: Um die Umrisse der Antarktis gruppieren sich Pinguin und Seeleoparden. Die Tür des Chemielabors zieren Retorten und Reagenzgläser, die des Handarbeitszimmers – pastellartig gemalte Garnrollen.

Die Idee zu der damals ungewöhnlichen Flächengestaltung kam vom bauplanenden Architekten Eberhard Rohrer. Sie wurden von der Firma Resopal in Groß Umstadt hergestellt. Die Bilder und die Fotos wurden auf bemalten übereinandergeschichteten Zellulosebögen aufgebracht und durch Unterdruckverpressung mit einer durchsichtigen Kunstharzschicht bedeckt.

Diese Kunstharzschicht schützt gegen Beanspruchung und Abnützung – und auch nach fast 50 Jahren Schulbetrieb sind die Türen noch sehr gut erhalten.Diese Technik war in den 60er Jahren en vogue – wer kennt diese Technik nicht von den berühmten Nierentischchen! 

Die hauseige Zeitschrift von Resopal warb mit dem Verfahren als „neuzeitlich interessantes Gestaltungsmittel von bleibendem Wert“ und praktischen Hinweisen zur Montage. Auch HAP Grieshaber nutzte diese Technik und gestaltete eine Wand in der Mensa der Universität Frankfurt.

Walter Stallwitz – ein Grenzgänger zwischen figürlicher und informeller Malerei – gehört zur „Garde“ der ersten Generation Mannheimer Künstler der Nachkriegszeit. Sein zentrales und konsequent umgesetztes Anliegen ist, sich dem Menschen und seiner räumlichen Umgebung zu widmen. So schafft er wunderbare, lichtdurchflutete Innenräume nur um ihrer selbst willen, aber ebenso im Einklang mit zumeist einzelnen Personen, die in seinen sog. „Transformationen“ auf geheimnisvolle Weise mit dem sie umgebenden Raum verschmelzen.

 

Hier finden Sie einen Artikel aus dem Mannheimer Morgen zum 85. Geburtstag von Walter Stallwitz von Alfred Huber (26.4.14)

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