Elisabeth Bieneck-Roos

geboren am:
10.10.1925 in Münsingen
gestorben am:
25.02.2017 in Mannheim

Nach dem Krieg begann Bieneck-Roos in Tübingen Biologie zu studieren. Hier lernte sie den Chemiker Dr. Erhard Bieneck kennen, den sie 1947 heiratete.

Sie blieb nicht bei dem Studium der Naturwissenschaft sondern wechselte zu ihrer anderen Leidenschaft  – der Kunst.

Von 1947 bis 1952 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, erst grafische Techniken – dann Malerei und Wandtechniken und war unter anderem Schülerin von Willi Baumeister,  der einen nachhaltigsten Einfluss auf sie ausübte. Das Kunststudium in Stuttgart stand ganz im traditionellen Sinn – Porträts, Landschaften und Blumenstillleben.

1952 zog das Ehepaar nach Mannheim. Hier musste sie die Arbeit einer freischaffenden Künstlerin mit dem Familienleben verbinden.

In den 1950er Jahren nahm die menschliche Figur einen wichtigen Platz in ihrer Arbeit ein: Figürliche Kompositionen, Porträts, Kinderbildnisse und Aktbilder.  Sie experimentierte mit Mitteln der modernen Malerei: Futurismus, Neue Sachlichkeit und Abstraktion finden sich in „Bild einer Tänzerin“ von 1957.

Entstandene Blumenstillleben in den 1960er Jahren werden durch Verbinden von Farbflächen abstrahiert. Auch in den Landschaftsbildern arbeitet sie mit grafischer Struktur. 

Für ihre künstlerische Weiterbildung besuchte sie ab 1954 Kurse an der Freien Akademie in Mannheim unter anderem bei Prof. Paul Berger-Bergner (1904-1978) und Prof. Carl Trummer (1906-1957).

Angezogen von den noch sichtbaren Schäden des Krieges und dem beginnenden Wiederaufbau der zerstörten Stadt hält sie den Prozess in ihren Zeichnungen fest. Sie interessiert der unfertige Zustand – das neue Werden aus den Trümmern, nicht die Vollendung.

Durch dieses Interesse hat sie in ihren Arbeiten die großen und wichtigen Baustellen von Mannheim dokumentiert.


Bieneck-Roos bezeichnete sich selbst als eine Industriemalerin. Ihre ersten Arbeiten mit Motiven aus der Industrie entstehen im Mannheimer Hafen ab 1957. Mannheimer Künstler nehmen sie mit zum Zeichnen an die Häfen von Mannheim und Ludwigshafen - und sie ist begeistert.

Wie bei dem aus Neckarau stammenden Xaver Fuhr (1898-1973) wurden für sie die Hafenlandschaften an Rhein und Neckar zur Inspiration, die Schiffe, Kräne, Speicher und Industriewerke zu  Motiven  ihrer Arbeit.


Sie hält die Motive in Aquarell oder Zeichnungen fest – auch Mischtechniken: Tusche, Grafit,Kreide oder Pastell. Die Farbe an sich wird reduziert. Ihre Farbe ist Schwarz – es kommen Farbakzente hinzu wie Rot, Gelb, Blau und Grün, die die dynamische Formen hervorheben.


Damit hat sie den größten Teil ihrer Industriebilder geschaffen. Mit dieser Maltechnik lässt sich vor Ort schneller arbeiten – mit Öl war das nicht zu verwirklichen. Doch haben einige Zeichnungen als Vorlagen für Ölbilder gedient.

Es kam zu Aufträgen der BASF - die ersten 1959 - und es kamen Aufträge von weiteren Industriefirmen dazu. Immer wieder wurde sie mit Bauhelm in solchen Betrieben zeichnend angetroffen, u.a. bei ABB Kraftwerken Mannheim, Großkraftwerk Mannheim  oder im Kraftwerk Heilbronn.


Ihr Mann arbeitete eine Zeit lang in Münster wodurch sie die großen Firmen des Ruhrgebietes kennenlernte.

 

Sie arbeitet am liebsten vor Ort, ob in der Natur oder an Ort und Stelle der Baustelle. Sie setzt sofort die ersten Eindrücke um und überlässt nichts dem Gedächtnis.

Unter den Industriebildern lassen sich vier Themengruppen unterscheiden: Industriegelände, Werksanlagen, Brücken und Maschinen. 

Dazu kommt das Festhalten vieler Neubauten in Mannheim, die in der Zeit ab der ersten Bundesgartenschau und danach entstehen: der Erweiterungsbau der Kunsthalle, Neubau des Stadthauses, das Planetarium, Fahrlachtunnel und noch viele mehr.

Elisabeth Bieneck- Roos war mit ihren Zeichnungen,Grafiken und Bildern von Brücken und Industrieanlagen auch außerhalb der Metropolregion geschätzt und anerkannt.

Aber auch ihre Stillleben, Landschaften und Menschendarstellung wie Porträts und Akte nehmen in ihrem Werk einen wichtigen Platz ein.

Text: Dr. Christine Schumann

 

 

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