Edgar Schmandt

geboren am:
12.01.1929 in Berlin
gestorben am:
13.07.2019 in Mannheim

Edgar Schmandt wurde am 12. Januar 1929 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung zum Retuscheur und Baumaler studierte er an der Hochschule für angewandte Kunst und der Hochschule der Künste, beide Berlin, sowie an der Freien Akademie in Mannheim. Seit 1956 lebte und arbeitete er in Mannheim.

Die Liste seiner Ausstellungen und Auszeichnungen ist lang, u.a. Universität Italiana, Perugia, Villa Massimo, Rom, Villa Romana, Florenz, sowie Cité des Arts, Paris. Zudem erhielt er etliche Preise, zuletzt den Willibald-Kramm-Preis 2019 (Heidelberg) für sein Lebenswerk, den Erich-Heckel-Preis 2016 vom Künstlerbund Baden-Württemberg oder den Preis für Wandgestaltung, Staatsbibliothek Berlin (Architekt Hans Scharoun) u.a.


Edgar Schmandt war ein Grenzgänger zwischen figürlicher und abstrakter Malerei und gehörte zur ersten Generation der Mannheimer Künstlerinnen und Künstler der Nachkriegszeit. Zentrales Thema war für ihn in den letzten Jahren in Text und Bild der "Kopf des Menschen, des Hirns in seiner immerwährenden Ambivalenz zwischen Lust und Angst, Horten und Vernichten, Freund und Feind, Frieden und Krieg – meist Krieg. Und der Krieg ist der Vater, ja der König von Allem". (Dr. Jochen Kronjäger). Sein Nachlass ist in die Stiftung Künstlernachlässe Mannheim übergegangen.

Der 2. Weltkrieg bestimmte nicht nur seinen Anfang, noch in den letzten Kriegsjahren begann er mit der Ausbildung zum Retuscheur, Baumaler, aberer war auch an der Meisterschule für das Buchgewerbe, dann Hochschule für Bildende Künste in Berlin, unter anderem bei Karl Hofer. Ein zerrissener Lebensanfang, zwischen den Zonen, Inhaftierung 1955 während der Stalinzeit wegen Verdachts auf Spionage, aber auch die erste Ausstellung 1946.


Bald wird es sie nicht mehr geben, diese Biografien, geprägt vom 2. Weltkrieg, deren gewaltiger Lebenshunger diesen jungen Mann sogar zu Fuß zu Hermann Hesse nach Montagnola brachte. Edgar Schmandt kannte viele, Erich Heckel oder Otto Dix, auch Mauricio Kagel, war in der Musik und im Film genauso zu Hause und schrieb immer Texte.


Aber die Bildende Kunst war sein eigentliches Metier, er erhielt alle großen Stipendien, aber auch Preise und - ganz wichtig - er war Mitglied in wesentlichen Verbänden, die er zum Teil mitbegründet hatte und zeitlebens prägte: Künstlerbund Baden-Württemberg, Münchner Secession, Künstlerbund Rhein-Neckar, Deutscher Künstlerbund, Freie Akademie der Künste Mannheim, um nur die wichtigsten zu nennen.

In Mannheim, wo er seit 1956 lebte, auch wegen der geographischen Nähe zu Frankreich, hat er Spuren hinterlassen, er, dem es vorzüglich gelungen ist, dem Kunstmarkt fernzubleiben.

Schmandt malte, collagierte, zeichnete nach wie vor zwischen Abstraktion und Figuration pendelnd, es gelangen ihm eindrückliche Werke über Krieg, gesellschaftliche Umbrüche, Umweltzerstörung und den Menschen an sich. Zuletzt beschäftigte er sich mit der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg und schuf großartige Köpfe in giftigem Grün, immer wieder durchbrochen von Schwarz.

Norbert Kaiser hat ihn zum 80. Geburtstag filmisch porträtiert: Im Homosapiensgelände, 2011.

 

Text: Dr. Susanne Kaeppele, Dr. Jochen Kronjäger



 

 

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