Franz Schömbs

geboren am:
29.05.1909 in Mannheim
gestorben am:
10.04.1976 in München

Franz Schömbs veränderte seit den 1930er Jahren durch seine abstrakte Malerei die Sehweise von bildender Kunst und provozierte Gedanken über das bestmögliche Erfassen der Realität innerhalb künstlerischer Medien. Sein Ziel war das Sichtbarmachen zeitlicher Abläufe. “Das Publikum war verblüfft und verstand nichts“, notierte der Künstler, als er seine “Streifenbilder“ und “Springwerke“ öffentlich ausstellte. Viele Menschen, die 1947 seine Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim besuchten, hatten noch nie zuvor abstrakte Bilder gesehen. 

Schömbs wollte die Ausdrucksmöglichkeiten der abstrakten Malerei noch überbieten und entdeckte den Film als Vermittler für seine Überzeugung: “Die Wirklichkeit existiert nicht im Raum allein, sondern nur in der Einheit von Zeit und Raum.“ 

Auch als er sich zunehmend dem Film als neuem Medium für die Malerei zuwandte, blieb er in erster Linie Maler. 1937 entstanden “Reihenbilder“, die dem Betrachter beim Vorbeigehen einen zeitlichen Ablauf vermitteln sollten. Die aufeinanderfolgenden Bilder wichen nur geringfügig voneinander ab – wie bei einem Trickfilm –, doch noch war es der Betrachter, dem die Bewegung auferlegt wurde. 

Danach schuf er “Springwerke“, in denen sich die Leinwandfläche auflöste und das Bild nach allen Seiten ausbrach. Es folgte die Idee von einem “Kugelbild“, in dessen Zentrum der Betrachter steht und von allen Seiten vom Bild umgeben ist. Realisiert wurde diese Idee als “Inbild“ 1955: Ein riesiger Bildstreifen mit 16 m Länge und 2 m Höhe wurde zu einem Rundpanorama von 5 m Durchmesser zusammengebogen, in dessen Innerem der Betrachter herumlaufen konnte. 
1943 entstehen die ersten Entwürfe zur “Geburt des Lichts”. Mit Hilfe einer 16-mm-Kamera entstanden1948/49 aus Streifenbildern und Schablonen die ersten Aufnahmen zu “opuscula”: Mit einer Kurbel wurden bemalte Streifen bewegt und durch Spiegelungen gemischt. Im gleichen Jahr ist Schömbs Mitbegründer der Künstlergruppe “Mannheimer Quadrat“. 

1957 zieht er mit seiner Familie nach München, weil er dort seinen Film „Geburt des Lichts“ realisieren kann, der am 28. Februar 1958 Premiere hat. 

Der Film erhielt von der Filmbewertungsstelle das Prädikat “besonders wertvoll”, wird aber vom Kinopublikum überhaupt nicht verstanden und völlig abgelehnt (Pfeifkonzert und Buh-Rufe). 1962 entsteht der Tanzfilm “Den Einsamen allen” – eine tänzerische Studie über Farbe, Raum und Zeit. Auch dieser Film erhielt das Prädikat “wertvoll”, wurde aber so gut wie nie gezeigt. 

Bis zu seinem Lebensende 1976 suchte er nach weiteren Möglichkeiten, alte Darstellungsformen zu überwinden: Es entstanden Ideen zu einer Filmoper, Ansätze zu einer neuen Ethik sowie zahlreiche Zeichnungen und Gemälde.Nach dem Tode des Künstlers zog seine Witwe 1988 zurück nach Mannheim. 
Seine Filme und der filmische Nachlass befinden sich seit 1994 im Filmarchiv des Filmmuseums in Frankfurt am Main.

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