Trude Stolp-Seitz

geboren am:
07.07.1913 in Mannheim
gestorben am:
14.10.2004 in Mannheim

Trude Stolp-Seitz, ist in dieser Region bekannt. Und viele erinnern sich sicher noch gut an die resolute, zupackende „Grand Dame“, die sich sehr energisch um Ausstellungen ihrer Arbeiten kümmern konnte. Mit Leidenschaft hat sie gemalt und von farbiger Leidenschaft sind auch ihre Arbeiten.

Ihr Vater, der Lehrer Fritz Seitz, war selbst Maler und Musiker. Er stirbt, als sie zwei Jahre alt ist, an Krebs. Die Staffelei und  Farben des Vaters werden im Mansardenzimmer in der Stamitzstraße 17 gehütet und üben auf die Kinder eine große Faszination aus. Und bereits in der Grundschule zeigt sich, dass Trude Seitz das große Talent vom Vater geerbt hat.

Das Mädchen wächst in einem sehr stark christlich-katholisch geprägten Umfeld auf, was sie – bis zum Ende ihres Lebens – maßgeblich im Hinblick auf Religiosität und soziale Verantwortung prägt. Sie macht eine Ausbildung zur examinierten Gesundheitsfürsorgerin und Säuglingspflegerin.

Von 1935 bis 1947 arbeitet sie als Gesundheitsfürsorgerin in verschiedenen Einrichtungen, u. a. in Ludwigshafen am Rhein.

1946 nimmt sie als Autodidaktin an der ersten Kunstausstellung der Stadt Ludwigshafen nach dem Krieg im Don-Bosco-Haus teil – in „guter Gesellschaft“ mit Arbeiten von Otto Dill, Rudolf Scharpf, Ernst Graser und anderen bekannten Pfälzer Künstlern. Sie zeigt drei Aquarelle: „Kastanienblüten“, „Feldblumenstrauß“ und „Vor dem Gewitter“. 1947 entschließt sie sich dann zu einer Ausbildung an der Freien Akademie in Mannheim und besucht die Meisterklasse von Paul Berger-Bergner.


1950 heiratet sie Hans Stolp (geb. 1899), der als Prokurist in Ludwigshafen arbeitet. Er unterstützt sie vorbehaltslos in ihrer Malerei – nicht selbstverständlich in den 1950 / 1960ern. Trude Stolp-Seitz hatte nie ein Atelier. Sie malt daheim, im Wohnzimmer und wo immer sie Platz findet. Alte Fotos zeigen sie malend auf Reisen: in Italien, auf einer Wiese in der Schweiz, auf dem Kofferraumdeckel des Autos.

Ihre frühen Arbeiten sind typisch für diese Zeit: Stillleben, Landschaften,Porträts – aber sie zeigen bereits eine gewisse Neigung zur Verformung, Verfremdung und Abstraktion.

Ab 1958 widmet sie sich nur noch der Malerei und betreibt engagiert ihre Vermarktung. Sie hat jedes Jahr eine Ausstellung. Sie ist Mitglied bei der GEDOK Mannheim-Ludwigshafen, der Künstlervereinigung „Anker“ in Ludwigshafen, dem BBK (Bezirksverband Bildender Künstler) und stellt in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in der Region, aber auch überregional aus. Einige ihrer Arbeiten sind 1955 / 56 in einer Wanderausstellung der GEDOK, „Contemporary Women’s Painting in Germany“, in Indien zu sehen.

Bis Mitte der 1960er Jahre bleibt sie dem Gegenständlichen in ihrer Malerei treu. Dann ändert sie radikal ihren Malstil und das Gegenständliche verschwindet – was ihr anfangs viele Kritiken einbrachte. In ihren informellen Arbeiten geht sie souverän mit Farben und Formen um: „Sie folgt ihren eigenen inneren Energien, ihrer Konzentration. Ihre Bilder sind Dokumente ihrer Impulse, ihres Willens, ihrer Phantasien und Ihrer Fähigkeit, Phantasien zu bändigen“ (Christel Heybrock, 1983).

Man kann in ihren Arbeiten religiöse Themen sehen, muss es aber nicht. Manche haben entsprechende Titel, die meisten sind aber lapidar mit „o. T.“ gekennzeichnet. „Temperamentvolle Farbknoten, tastende Linien, schwingende Flächen, vibrierende Flecken …, es ist der tiefe Reiz dieser Bilder, dass sie den Betrachter frei lassen. Wer möchte,kann sich seine eigenen Geschichten ausdenken“ (Christel Heybrock, 2003).

Mit 77 Jahren (1990) zieht sie in das katholische Altenheim Maria-Scherer-Haus in Mannheim-Rheinau. Sie malt mit ungebrochener Schaffenskraft bis kurz vor ihrem Tode. Ihre Arbeiten schmücken dort auch heute noch Räume und Gänge.

Text: S. Köhler
Fotos: Manfred Rinderspacher, Künstlernachlässe

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