Ilana Shenhav

geboren am:
27.06.1931 in Mährisch-Ostrau (ČSR)
gestorben am:
06.06.1986 in Mannheim

Ilana Shenhav ist elf Jahre alt, als sie in das Konzentrationslager Theresienstadt kommt. Die Selbstverwaltung der Häftlinge führte geheim Schulunterricht durch und dort erhält sie auch ihren ersten Zeichenunterricht durch die ebenfalls inhaftierten Künstler Prof. Max Lederer und Friedl Dicker-Brandeis, die eine Schülerin von Johannes Itten war.

1949 geht sie nach Israel. Parallel zu ihrer Ausbildung als Kunsterzieherin in Tel Aviv bis 1964 und zum Besuch der Kunsthochschule in Tel Aviv bis 1968 sowie zu ihrer dortigen Dozentur bis 1970 intensivierte Ilana Shenhav die eigene künstlerische Tätigkeit und konnte erste Einzel-Ausstellungen in Tel Aviv realisieren.

1970 übersiedelt sie in die Bundesrepublik nach München und kommt 1971 nach Mannheim. Bis zu ihrem Tod 1986 in Mannheim folgen zahlreiche weitere Einzel- sowie Gruppen-Ausstellungen vor allem in Mannheim.nn

Künstlerisch begann Ilana Shenhav mit der Zeichnung, die jahrelang auch ihre bevorzugte Ausdrucksform war. Sie ist meisterhaft in der Technik; oft bestehen ihre Zeichnungen aus einer einzigen Linie. „Ihr eigen ist ein strenger, sicherer Strich, dessen „Festigkeit“ eigentlich Ausdruck und Merkmal des technisch-konstruktiven Zeichnens ist.

Genau diese Linie wird bei ihr das Gegenteil. Aus dem Vegetativen aufquellend, wuchernd, endet sie oft in Händen und Gesichtern. Es sind Wesen zwischen Schatten und Chimära, ohne Knochen, hilflos Halt suchend: Schatten einer Vergangenheit des Schreckens und einer bedrängten Gegenwart“ (Eberhard Thieme). Erst in den späteren Jahren wendet sie sich der Malerei zu.

Stilistisch reichen ihre Arbeiten vom krass Figürlichen bis zum klassischen Informell sowohl in ihren Zeichnungen, Gouachen und Collagen wie auch in ihren Gemälden.
Sie ist eine Grenzgängerin zwischen beiden Bereichen: So sind in einer Reihe ihrer informellen Arbeiten Strukturen zu entdecken, die zu figürlichen Assoziationen geradezu inspirieren. Dabei sind drei Aspekte wesentlich:
  • Ihre realistisch angelegten Porträts zeichnen sich – das war auch ihr Credo – durch „absolute Ehrlichkeit“ aus, ohne Rücksicht also auf die Empfindungen des Porträtierten.
  • In ihren Collagen und Gemälden hingegen spielt sie mit erstaunlicher Leichtigkeit informelle Kompositionen in oft warmen Farbtönen durch: in Orange, Gelb, Ocker und Siena mit gelegentlichen Zugaben komplementären Blaugrüns. Kühlere Farbtöne wie Blau oder Schwarz kommen seltener vor, aber immer wieder einmal ein intensives, manchmal sogar aggressives Rot.
  • Völlig anders hingegen sind Ilana Shenhavs Blätter in einer Mischung aus Gouache- und Aquarell-Technik: Die Farben der in diesen Arbeiten bevorzugten Grauskala (Grisaille) zerfließen zu ganz fein strukturierten amorphen Gebilden.

Ilana Shenhav hat in ihrem gesamten künstlerischen Schaffen einen ausgeprägt individuellen Stil gepflegt, der ihre Werke jederzeit erkennbar macht. Sie war – wie Gisela Kerntke einmal geschrieben hat – „ein wichtiger Teil im Kulturleben Mannheims von ihrer Übersiedlung aus Israel 1971 bis zu ihrem Tod.“

Die Nachlass-Stiftung besitzt einige, leider nur wenige Arbeiten von ihr.

Text: Dr. Jochen Kronjäger und SIlvia Köhler

Fotos: Ilana Shenhav mit einem Selbstportrait (aus Eberhard Thieme, Auf der Suche nach dem Menschen, 1984 Quadrate Buchhandlung MAnnheim)

Zeichnung: "...kein leichtes Gespräch", Federzeichnung, o.J.

Biografie

1931 geboren in Mährisch-Ostrau (CSSR)
1942-1945 Konzentrationslager Theresienstadt
1949 Israel, Ausbildung u. Tätigkeit als Grundschul- und Englischlehrerin
1958-1960 Kunsterzieherseminar in Tel Aviv
1961-1964 Kunsterzieherin
1965-1968 Kunsthochschule in Tel Aviv
1968-1070 Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland, München
1971 Übersiedlung nach Mannheim

Ilana Shenhav war Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler, der Gedok und der Künstlergruppe '79 e.V., Heidelberg

Einzelausstellungen (Auswahl)

1963-68 Vier Ausstellungen in Israel (u.a. Galerie Dugith, Tel Aviv)
1969 Museum Elath
1975 Galerie O.G. Zimmermann, Mannheim
1978 Freimauererlaoge Mannheim
1979 Werkkunstgalerie, Mannheim
1981 Kunst- u. Auktionshaus Heissler, Bobenheim/Berg
1981/82 Galerie Weng, Mannheim
1984 Galerie in der "Klapsmühl", Mannheim

Gruppenausstellungen

Jährlich im Rahmen des Berufsverbandes Bildender Künstler
1971 "Vom Frieden leben wir", Selm/ Kreis Lüdingshausen
1981 "Künstler sehen Mannheim", Mannheim
1983 Werkstattgalerie Mundenheim, Ludwigshafen, Gedok Mannheim
1984 "Mensch in Gewalt", Austauschausstellung, Toulon

Buchveröffentlichungen

1981 26 Zeichnungen in Danielle Schönwitz "reflexion" (Lyrik und Grafik), Speyer
1984 15 Zeichnungen in Siegfried Einstein "Meine Liebe ist erblindet", Mannheim

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