BILD DES MONATS
 
BILD DES MONATS
Norbert Nüssle, N1 Syndrom (1990)
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Bildbeschreibung

Titel:
N1 Syndrom
Year:
1990
Technik:
Mischtechnik und Collage auf Karton
Maße:
183 x 197 cm
Besitzer:

Norbert Nüssle, der große Collagist, wäre dieses Jahr 85 Jahre altgeworden. Aus diesem Anlass präsentieren die Künstlernachlässe Mannheim, die seinen gesamten Nachlass verwalten, und das Xylon Museum gemeinsam eine Retrospektive seiner Arbeiten. Zum Teil wurden die Werke noch nie oder lange nicht mehr in der Region gezeigt.


Ausstellung Norbert Nüssle zum 85. Geburtstag
24. Juni– 30. Juli2017

XYLON Museum Werkstätten e.V., Schlossgarten 2,
68723 Schwetzingen, Tel. 06202 12 67 174

Öffnungszeiten Fr – So 14 – 17 Uhr und nach Vereinbarung

Eröffnung: Samstag 24.Juni 2017, 18 Uhr

Führung durch die Ausstellung: Sonntag 16. Juli 2017,16 Uhr

Finissage: Sonntag, 30. Juli 2017, 17 Uhr

Zu Beginn der 1980er Jahre erscheint eine neue Werkgruppe in Norbert Nüssles Schaffen: die großen Plätze. Sei es in Frankreich oder in Mannheim, topografisch exakt gibt der Künstler Durchgangs- oder Versammlungsorte wieder, geschaffen mit Hilfe vieler Fotos, sei es Polaroid oder mit analoger Fotografie, häufig in Schwarzweiß.

Dabei krümmt sich die Komposition immer mehr zur Kugel, wie es bei seinen Straßenbildern in den 1970er Jahren schon angefangen hatte.

Hinzu kam, dass Nüssle auch und gerade die Bautätigkeit, die Baustellen sehr faszinierten. Für Mannheim hielt er auf diese Weise viele topografisch genau erfasste, unwiederbringlich verschwundene städtische Zustände fest, die wichtige Zeitdokumente für die Geschichte der Stadt darstellen.


Das „N 1 Syndrom“ von1990 dokumentiert einen Zustand des öffentlichen Ortes, der fast vergessen ist: Vor der Erbauung des neuen Rathauses auf N 1 in Mannheim war der Ort ein Parkplatz, auf Kriegstrümmern angelegt.

Ganz und gar kugelig gegeben zeigt Nüssle das korrekte städtische Panorama, mit der deutlich erkenntlichen Konkordienkirche, dem Grupello-Brunnen auf dem daneben liegenden Paradeplatz samt den umliegenden bekannten Kaufhäusern bis hin zum Wasserturm in einem Straßendurchblick.
Auf Moltofill angelegt, enthält der Platz auch die authentizitätsstiftenden Überbleibsel der Passanten, die zudem die verstreichende Zeit festhalten;Verortung in der Zeit sozusagen.


Im Hintergrund dieser Arbeiten von Norbert Nüssle stehen kunsthistorischen Vorgänger, etwa die Weltlandschaften der Renaissance nördlichder Alpen. So schuf Joachim Patinir einen neuen Bildtypus: die„Weltlandschaft“, die in ihrer Verbindung unterschiedlicher Natur- und Kulturlandschaften Ausdruck der Ganzheit des Universums ist. Aber auch der Begriff des Panoramabildes muss hier fallen, allerdings der Typus der mit Fischaugenobjektiv (Fisheye) aufgenommenen Rundumansicht, eine sich immer um ein Zentrum drehende, sich wölbende Kreis- bzw. Kugelform.

Text: Dr. Susanne Kaeppele

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